Traumatherapie & EMDR

Normale Reaktion auf ein unnormales Erlebnis


Das Wort "Trauma" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Verletzung". Ein psychisches Trauma ist eine seelische Verletzung, die durch eine oder mehrere Erfahrungen entsteht, die in einem Maße einschneidend sind, dass sie unsere Verarbeitungsfähigkeit bei Weitem übersteigen. 

D.h. traumatische Erlebnisse sind Ereignisse, die außerhalb der normalen Erlebenswelt der meisten Menschen liegen.


Diese Ereignisse können verursacht werden durch:

  • die Natur (z.B. Erdbeben, Tsunami, schwere körperliche Erkrankung)
  • dem Menschen (Unfälle und Gewalterfahrungen - z.B.Überfall, Vergewaltigung, Misshandlung etc. oder deren Versuch, aber auch Entführung, Folter, Kriegsteilnahme)
  • technische Fehler (z.B. technische Katastrophen, Unfälle, Feuer)
  • Berufsbedingte Katastrophen bzw. Einsätze und Unfälle (Militär, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und andere Helfer, Lokführer oder Zugbegleiter)
  • Arbeitsunfälle
  • Verkehrs- und Freitzeitunfälle


Sowohl Betroffene wie auch Zeugen solcher Ereignisse können schwer traumatisiert werden. Dabei kann es vorkommen, dass erst das wiederholte Erleben belastender Ereignisse (z.B. der dritte Rettungseinsatz mit Toten als Sanitäter oder der zweite Missbrauchsversuch) eine posttraumatische Belastungsstörung hervorruft. 

Bezeichnend ist, dass solche traumatisierenden Erlebnisse mit heftigen emotionalen Reaktionen wie z.B. Angst, Hilflosigkeit, Entsetzen oder Erstarrung verbunden sind.


Diese Erfahrungen sind so ungewöhnlich und belastend, dass die meisten Menschen damit überfordert sind, solche Erlebnisse richtig zu verarbeiten. Dabei spielt es keine Rolle, ob man selbst Betroffener, oder "nur" Zeuge des traumatischen Ereignisses, z. B. eines schweren Unfalls war, oder aber als Helfer an den Ort des Geschehens gerufen wurde.

Nach einer traumatischen Erfahrung ist es ganz natürlich, dass körperliche und psychische Funktionen aus dem Ruder laufen. Fast alle Menschen, die ein traumatisches Ereignis erlebt haben zeigen eine starke akute Belastungsreaktion und ca. ein Viertel entwickelt eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Dabei kann es in seltenen Fällen auch vorkommen, dass die Beschwerden dem belastenden Ereignis erst nach Wochen oder Monaten folgen.


Körper und Geist brauchen nach dem traumatischen Erlebnis vor allem Zeit und die Unterstützung aus dem persönlichen Umfeld, um die schrecklichen Erfahrungen zu verarbeiten. In ungefähr 50% der Fälle gelingt dies von selbst, also ohne professionelle Unterstützung. 


Bleiben jedoch noch mehrere Monate nach dem Trauma verschiedene Symptome der akuten Belastungsreaktion bestehen oder kommen neue Symptome hinzu, hat sich aller Wahrscheinlichkeit nach eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt. 



Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

An PTBS zu leiden ist kein Zeichen von Schwäche oder ‚Geisteskrankheit‘. Diese Reaktionen sind normale Reaktionen auf einen extremen, nicht mehr integrierbaren Stress. Sie sind ein Versuch des Körpers und der Seele, das verloren gegangene Gleichgewicht wieder herzustellen.

Genauso wie ein gesunder Knochen unter einer sehr schweren Last bricht, kann ein vorher gesunder Mensch in Folge traumatischer Erlebnisse PTBS entwickeln. Die PTBS betrifft in der Regel alle Lebensbereiche (Beruf, Freizeit, Sozialkontakte, Zukunftsplanung) und kann den Betroffenen derart einschränken, dass sich neben dem Verlust der Arbeitsfähigkeit und der Sozialkontakte, Depressionen, Ängste und Alkohol- oder Tablettenmissbrauch entwickeln können. Der Verlauf der Krankheit variiert stark. Unbehandelt nimmt die Störung jedoch oft über viele Jahre einen chronischen Verlauf. Je nach Schweregrad der Posttraumatischen Reaktion ist eine kurzfristige oder eine längerfristige Therapie erforderlich; die Behandlung kann im ambulanten oder stationären Rahmen erfolgen.


Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann alle Bereiche des Erlebens und Verhaltens des Betroffenen beeinträchtigen. Gedanken und Gefühle können eine große Zeit des Tages nur um das Ereignis und häufig auch um Fragen der eigenen Schuld kreisen. Gefühle wie Wut, Trauer, Hilflosigkeit, aber auch emotionale Taubheit können im Vordergrund stehen. Außerdem treten häufig körperliche Symptome auf und die Anfälligkeit für körperliche Krankheiten steigt.

Dabei kann die Art der PTBS-Symptome und das Ausmaß, in dem der Einzelne unter den Symptomen leidet, von Person zu Person sehr unterschiedlich sein.



EMDR

Eye Movement Desensitization and Reprocessing (in der internationalen Abkürzung = EMDR) ist eine wissenschaftlich anerkannte Psychotherapiemethode zur Traumabehandlung, die von Dr. Francine Shapiro 1987-1991 entwickelt wurde. EMDR hat sich in den letzten Jahren zu einem hoch effektiven Verfahren in der Behandlung von Traumafolgestörungen bei seelisch traumatisierten PatientInnen entwickelt.


Methodisch folgt die EMDR-Methode einem Vorgehen in acht genau umschriebenen Phasen - d.h. das Vorgehen erfolgt sehr strukturiert, nach einem klar vorgegebenen Ablaufschema. Charakteristisch für EMDR ist, dass mit Hilfe von bilateralen Stimulationen (=abwechselnde Stimulierung der rechten und linken Gehirnhälfte z.B. durch Augenbewegungen, akustische Signale oder links-rechts Berührungen) Belastungen, Ängste und Blockaden, die im Laufe der Therapie spezifiziert und erforscht werden, gezielt bearbeitet und aufgelöst werden können. Durch dieses methodische Vorgehen wird das Nervensystem einerseits beruhigt und andererseits angeregt, sodaß eine Neuverarbeitung stattfindet kann und kreative Lösungen gefunden werden. Das traumatische Ereignis rückt auch im inneren subjektiven Erleben in die Vergangenheit und belastet das Leben im Hier und Jetzt nicht mehr oder nicht mehr so massiv. EMDR führt nicht nur zu einer Symptomreduktion sondern zu einer tiefen inneren Veränderung, die viele mit einem „kleinen Wunder“ vergleichen.


Die richtige Indikation und Durchführung sind bei EMDR wesentlich, da es auch Kontraindikationen gibt. Daher sollte diese Behandlungsmethode nur von Fachleuten (Klinische PsychologInnen, PsychotherapeutInnen, psychotherapeutisch ausgebildete ÄrztInnen) durchgeführt werden, die eine entsprechende qualifizierte Ausbildung in EMDR absolviert haben.



Traumabezogene Spieltherapie

Die „Traumabezogenen Spieltherapie“ wurde von der Nürnberger Diplom-Psychologin und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin Dorothea Weinberg entwickelt als eine psychotherapeutische Methode zur Behandlung von Traumatisierungen bei Kindern (z.B. Erleben schwerer Unfälle, der plötzliche Verlust eines Elternteils, Folgen von Vernachlässigung, sexuellem Missbrauch, emotionaler Missbrauch und Misshandlungen durch nahe Bezugspersonen)


Die Behandlung von Kindern mit Traumafolgestörungen (posttraumatische Belastungsstörungen, Dissoziationen) bedarf einer ganz speziellen Herangehensweise, da neben der Verarbeitung des/der Ereignisse/s v.a. eine Beruhigung sämtlicher neurobiologischer Prozesse im Gehirn eine essentielle Voraussetzung im therapeutischen Vorgehen darstellt. 


Die Behandlung kann dann angewandt werden, wenn das Kind in einem mittlerweile geschützten und sicheren Umfeld lebt und Menschen um sich hat, die sich für es verantwortlich fühlen und es stabilisieren können.